• Tim

Auf und davon!

Einige Tage vergehen, ohne dass etwas spannendes passiert. Unsere Suche nach Gas ist ein endloses Spiel, das kein Ende zu finden scheint. Die Nächtplatze lassen größtenteils zu wünschen übrig, da die meisten Feldwege durch den nächtlichen Regen komplett aufgeweicht sind und uns somit keinen Durchlass gewähren. So kommt es, dass insbesondere mir, Italien gehörig auf den Sack geht. Ja klar, Bella Italia, blabla. Okay, gegen das Wetter will ich ja gar nichts sagen. Aber schön? Nicht direkt. Nahezu pausenlos mache ich mir Gedanken drüber, ob es an mir und meinem ständigen Gedankenkrieg liegt, oder ob tatsächlich Italien selbst für die Verstimmung sorgt. Dann weiß ich plötzlich, was mir fehlt. Und das seit wir losgefahren sind... Das Abenteuer! Sicher, ich kann nicht erwarten, dass im Januar das große Abenteuer gerade in Italien wartet aber offensichtlich musste ich zu dieser Erkenntnis erstmal kommen. Am selben Tag erreichen wir den südlichsten Zipfel der "Hacke". Eine kleine, von Felsen umrandete Bucht, deren Strand im Sommer vollgestopft mit Liegestühlen zu sein scheint, liegt einsam und verlassen da. Das Restaurant mit den verschlossenen Fensterläden, das am Eingang der Strandzufahrt steht, wirkt, als wäre es schon jahrelang geschlossen. Woa, damit hatten wir beide nicht mehr gerechnet! Das wir sowas in Italien finden.

Nachdem wir uns so sehr nach einer Solaranlage gesehnt haben, hat Lola einige Tage zuvor eine bestellt. Die Post versicherte uns, dass sie das Paket annehmen werde und wir es einfach abholen können, wenn es da ist. Perfekt! Also beschließen wir die Zeit, bis unsere neue Stromquelle eingetroffen ist, an diesem kleinen Strand zu überbrücken. Ganz so einsam, wie erst gedacht, ist er allerdings doch nicht. Ein Auto nach dem anderen fährt ohne offensichtlichen Grund auf den Parkplatz des Restaurants, dreht um und fährt wieder. Bis spät in die Nacht fährt beinahe im Minutentakt ein Auto neben uns lang, dreht und macht sich wieder vom Acker. Und das so weit ab von jeglicher Zivilisation. Komisch, was die wohl hier wollen? Auch die verschiedensten Formen von italienischen Gesetzeshütern tun es der offensichtlich ziemlich gelangweilten oder extrem verwirrten Bevölkerung gleich. Mehrfach glauben wir nun das erste Mal Strafe fürs wildcampen zahlen zu müssen aber keiner der Blaulichtträger hält an. Vielleicht, weil es an diesem Abend anfängt zu regnen. Nein, es schüttet! Die Nacht schlafe ich nicht sonderlich gut,da es sich anhört, als würde jemand eimerweise Kieselsteine auf unser Dach kippen. Leichter Nieselregen gibt ein schönes, einschläferndes Geräusch. Aber das?


Am nächsten Morgen entscheiden wir, in einer Regenpause, eine kleine Erkundungtour zu machen. Zufällig entdecken wir einen kleinen Pfad, der vorbei an der Bucht, entlang der Küste führt. Besonders gut ist das Wetter nicht. Aber immerhin trocken. Die Wellen peitschen gegen die Felsen und spritzen mehrere Meter hoch. Tiefe Wellentäler entstehen und geben fast den Meeresboden frei, bis der nächste Wellenberg herangerollt kommt, um die Küste erneut zu überspülen. Überall läuft das Wasser in kleinen Bächen und Rinnsalen von den Klippen zurück in die, von weißer Gischt überzogene, See. Die gestern noch so glatt und ruhig daliegende bucht, sieht jetzt aus, wie ein Tor zur Hölle. Wenn ich jetzt ins Wasser fallen würde, wäre ich hoffnunglos verloren. Beeindruckende Gewalt!


Als wir weiter entlang der Küste laufen, entdecken wir einen Turm. Erhaben steht er da. Hoch oben auf einem Felsen, scheint er in vergangenen Zeiten als Wachturm gedient zu haben. Heute ist er leider nicht mehr als einer von vielen haufen gestapelter Steine mit einer, für Touristen in schlechtem Englisch hinter Plexiglas festgehaltenen, Geschichte.


Wir machen uns auf den Rückweg und als wir das Auto erreichen, fängt es erneut an zu gießen. In einen Berg aus Decken eingewickelt, um das nicht vorhandene Gas zu kompensieren, versinken wir in unseren Büchern, bis es an der Tür klopft. Tatsächlich, die Bullen. Nicht, die Art von geflecktem Großvieh. Nein, nun zeigen die uniformierten Gesetzeslurche, die schon mehrfach unser Auto umrundet haben, wie toll sie demonstrativ ihren Kehlsack aufblähen können. "Documents!", sagt einer der beiden in gebrochenem Englisch, ohne uns eines Blickes zu würdigen. Er nimmt unsere Personalien auf, während der zweite Blaulichtlurch ganz wichtig unser Auto von allen Seiten begutachtet. Dann erlauben sie uns großzügig eine weitere Nacht auf dem Parkplatz, auf dem es logischerweise nicht verboten ist zu parken, zu parken und machen sich wieder davon. Campen und parken sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Und das scheint auch die italienische Polizei so zu sehen.

Das Erwachen am nächsten Morgen bringt eine schlechte Nachricht mit sich. Der erste Blick auf Lolas Handy offenbart sie uns. 'Rücksendung eingeleitet' steht da. Einige Sekunden vergehen, bis wir checken, worum es geht. Neeeein!! Nicht die Solaranlage zurück nach Deutschland schicken!


Gestresst machen wir uns auf den Weg nach Bari zur Post, wo das Paket angenommen werden sollte. Das hat zur Folge, dass Lola 2 Stunden bei der poste italiane verbringt, um sich von der Filialleiterin in lautem, deutlichem italienisch erklären zu lassen, was passiert ist. Zumindest vermutet sie das. Auch wenn sie laut und deutlich "muht", versteht der Fuchs noch längst keine Kuh!

Ohne Erfolg gehabt zu haben, steigt Lola wieder ins Auto. Innerhalb von einer Stunde ist die Entscheidung gefallen. Wir fahren auf dem direkten Weg zum Hafen, buchen eine Fähre nach Griechenland und fahren am nächsten Tag ab. Ciao Italien! Du und deine laute Bevölkerung habt uns auf ganzer Linie enttäuscht. So schnell sehen wir uns nicht wieder!

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