• Tim

Die Lagune

Aktualisiert: 13. März 2018

Wie kann das bitte sein? Wir sind in Europa und es vermischen sich das Gefühl im wilden Westen und gleichzeitig mitten in der Karibik zu sein! Wir sind auf dem Weg zu der „Giara di Setzu“, einem Hochplateau im Landesinneren. Doch erstmal müssen wir uns mal wieder frisch machen. Da kommt uns die kleine Therme "Su Anzu", mit freiem Zugang, recht gelegen. Wir baden in der lauwarmen Quelle, in der schon die alten Römer badeten und düsen gut gelaunt und sauber wieder los.




Unser Weg führt uns eine ganze Weile an der Küste entlang. Vorbei an Buchten, in denen das glasklare, türkisfarbene Wasser die Sonne reflektiert. Strahlend weiße Sandstrände säumen das Ufer bis zur roten Felswand, an der kleine, aus Naturstein gelegte Treppen zur Straße oberhalb führen. Leider ist das Campen in diesem sehr touristischen Bezirk komplett untersagt und wird auch in der Nebensaison kontrolliert.


Nachdem wir an einer Verkehrskontrolle der Carabineri vorbeifahren und einer der Kontrolleure mit einer MP im Anschlag dasteht, nehmen wir das Verbot diese Mal ernst und fahren weiter. 😀

Wir haben noch weitere Buchten in der Nähe auf dem Zettel. Doch die Straßen, die dorthin führen, enden für uns relativ schnell, da nicht nur das Campen an sich, sondern sogar die Durchfahrt mit dem Wohnmobil verboten ist. Was für ein Scheiß! Wir hätten gerne ein, zwei Nächte in einer dieser Buchten verbracht!

Etwas entmutigt drehen wir um und entscheiden uns dafür eine der Autobahnen ins Landesinnere zu nehmen und die Karibik vorerst hinter uns zu lassen. Im Licht des Sonnenuntergangs fahren wir zwischen den Bergen hindurch und der Wein leuchtet in herbstlichen Farben.

Da wir nur bedingt Lust haben im Dunkeln die kurvenreichen Bergstraßen zu fahren, die man noch nehmen muss, um auf das Plateau zu kommen, fahren wir doch noch in Küstennähe von der Autobahn ab und über eine ca. 8km lange Schotterpiste zu einem Nachtplatztipp, den wir am Capo Ferrato von Jürgen und Meike bekommen hatten. „Spiaggia di Berchida“ heißt der Strand, vor dem ein riesiger Parkplatz und eine Lagune liegen. Was für ein genialer Platz! Wir parken unser Heim nur wenige Meter von der Lagune entfernt und genießen die letzten Sonnenstrahlen. 🙂



Am nächsten Morgen beginnt Lucy ihren Tag, indem sie einen Corpo Forestale Beamten zur Sau macht und ihn anspringt. Für die, die es nicht wissen, muss ich dazusagen, dass es in Italien 6 verschiedene Polizistengattungen gibt, die alle für unterschiedliche Angelegenheiten zuständig sind. So schafft man Arbeitsplätze! 😀

Naja, was solls… Der Mann, den Lucy am liebsten gefressen hätte, nimmt es mit Humor, grüßt freundlich und setzt seine Streife am Strand fort. Wir machen uns wieder auf den Weg, denn das eigentliche Ziel ist ja nach wie vor das Hochplateau, die Giara. Wir verdaddeln den Tag und eh wir uns versehen, ist es schon wieder dunkel.

Als wir die steile Straße auf die Hochebene bezwungen haben, stehen wir vor einem verschlossenen Tor. Das zwingt uns rückwärts den Berg wieder runterzufahren, bis wir eine kleine Parkbucht erreichen. Dort werden wir von einer Ziege vollgeschnackt, die offenbar nicht mit unserem Kommen einverstanden ist. Trotzdem übernachten wir hier. In ziemlicher Schräglage! 😀

Wir wachen auf und es ist bedeckt. Na toll… Perfektes Licht um Wildtiere zu fotografieren, denke ich, freue mich aber dennoch auf die Wanderung. Wir packen unseren Rucksack und stiefeln los.

Keine 10 Minuten vergehen, da stehen plötzlich 3 Pferde auf dem Weg und gucken uns verdutzt an. Wir schießen ein paar unterbelichtete Fotos und gehen weiter, als die 3 sich verzogen haben. Plötzlich sehen wir Hörner aus dem Gestrüpp gucken. Ein mulmiges Gefühl steigt in mir hoch, da ich mich ziemlich genau an die Erzählungen meiner Eltern erinnere, die im vergangenen Jahr, auf dem selben Plateau von einigen Bullen gejagt wurden und um ihr Leben gerannt sind. Das gehörnte Tier guckt hoch, mustert uns kurz, befasst sich dann aber wieder mit dem saftigen Grün.

Wir beruhigen Lucy, die das Rindvieh erst entdeckt, als wir versuchen möglichst leise vorbei zu schleichen, und der Meinung ist, sie hätte ebenfalls Hörner, mit denen sie es problemlos mit dem Bullen aufnehmen könnte. 😀




Als wir den Wohlfühlabstand erreicht haben, stellen wir das Stativ wieder auf und machen einige brauchbare, besser belichtete Bilder von der Rinderherde, die sich rund um einen Wassertrog aufhält. Eigentlich soll unsere Wanderung zu einem kleinen See führen, der den Wildtieren im Park als Wasserstelle dient. Dort soll man besonders viele Tiere aus geringer Entfernung beobachten können. Doch entweder der See ist ausgetrocknet oder wir sind einfach zu blöd…

Wir laufen gut 2 Stunden. Immer wieder sehen wir Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen. Aber von einem See keine Spur! Na gut, egal.. Wir haben gesehen, was wir sehen wollten und drehen um, als es leicht anfängt zu nieseln.

Der Rückweg dauert nur halb so lange, da uns keine Pferde und Bullen, wie auf dem Hinweg, den Durchgang verwehren, wir genügend Bilder gemacht haben und befürchten, dass der Regen stärker wird. Da es hier oben ziemlich kalt ist, fahren wir nach einen kurzen Frühstück direkt wieder los. Wir haben unsere letzte Station an der Ostküste abgehakt und fahren nun wieder zurück an die Westküste, um von dort aus den Küstenabschnitt in Richtung Süden zu erkunden, den wir, wegen des schlechten Wetters vor ein paar Wochen, übersprungen haben.

Knapp 4 Stunden Fahrt auf der astreinen Autobahn und wir sind wieder auf der anderen Seite der Insel. Landschaftlich eine krasse Veränderung! Immer wieder überrascht Sardinien mit ihrer Vielfalt der Vegetation und Bodengegebenheiten. Beeindruckend schön!

Die Fahrt auf der Autobahn endet für uns und wir steuern, auf einer wieder sehr kurvenreichen Straße, direkt auf einen der Einträge in der Karte von Lolas Papa zu, den er mit „super!!“ gekennzeichnet hat. Die Spiaggia di Scivu. Die Strecke dorthin führt durch ein verlassenes Dorf, in dem wir 4 Welpen sehen. Lola bremst aprupt und legt den Rückwärtsgang ein. „Die musst du auch sehen!“, sagt sie begeistert und steigt aus. Die Kleinen springen an ihr hoch und freuen sich offensichtlich sehr über den menschlichen Kontakt. Lola gibt ihnen eine Dose Nassfutter, während ich im Auto warte, bevor ich Besitzer von 5 Hunden bin! 😛

Gerade rechtzeitig, um den Sonnenuntergang zu sehen, den wir durch unseren Aufenthalt an der Ostküste schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen haben, führt die Straße zwischen den Bergen raus und wir kommen auf einem großen Sandparkplatz an.



Wir schließen das Auto ab und gehen einen langen Bohlenweg zum Strand runter. Unten angekommen, sind wir freudig überrascht. Mit so einer Kulisse hatten wir nicht gerechnet, als wir auf den Parkplatz fuhren! Ein langer, breiter Sandstrand, mit beeindruckenden Felsformationen, erstreckt sich von uns bis zum nächsten Kap. Die von der Witterung wellenförmig ausgefressene Steilküste dient mit ihren Vorsprüngen einigen Falken als Nistplatz und sieht aus wie die Rückwand eines Wüstenterrariums. 😀




Alles klar, wieder mal ein Ort zum Bleiben! Das können wir gut gebrauchen nach einigen Tagen Kurverei und anstrengenden Wanderungen. Danke an Lolas Papa für diesen grandiosen Hinweis! 🙂

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Reisen in grün

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