• Tim

Ein weiter Weg

Es ist soweit! Endlich habe ich wieder die Zeit, Motivation und Inhalte, um neue Blogbeiträge zu schreiben. Die Meisten werden jetzt bestimmt vermuten, es würde ein wahnsinnig spannendes Erlebnis kommen… Dem ist aber nicht so. Wartet ab. :D

Erstmal will ich euch erzählen, was wir so getrieben haben. In den letzten Monaten, in der Zeit, in der wir nichts von uns hören ließen. Im letzten Beitrag sagte ich am Ende etwas vom großen Abenteuer und irgendwelchen Plänen… Vergesst das alles! Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. An die Pläne von damals kann ich mich kaum noch erinnern und mit einem Abenteuer hat das, was wir seitdem getan haben, auch nicht viel gemein. Zumindest nicht im klassischen Sinne.

Zunächst kommen da 3 Monate voller Arbeit. Von Freizeit keine Spur und die Freude am Leben droht zu schwinden, als die Sommersaison plötzlich schon wieder vorbei ist. Nach einer gemeinsamen Teamwanderung, die nur durch Zufall unser Saisonende markiert, machen wir uns auf den Heimweg nach Deutschland. Auf der Fahrt überlegen wir, was sich zu Hause wohl verändert haben würde. Unsere Annahme – Alles beim Alten! Und genau diese Vermutung bestätigt sich. Schön, wenn man nach Hause kommt und es genau da weitergeht, wo man aufgehört hat.

Wir verbringen einige schöne, freie Tage mit Familie und Freunden. Doch nur auf der faulen Haut liegen, das wollen wir auch nicht. Dafür haben wir uns die freie Zeit zu schwer erarbeitet. Und mal davon ganz abgesehen, vergammelt unser Dicker immer noch und sein Zustand wird zunehmend schlechter.




Schweißen kann bislang keiner von uns. Aber die 5000 Euronen, die wir für die Reparatur in der Werkstatt hinlegen sollen, wollen wir auf keinen Fall dafür ausgeben. Also gehen wir dem Rat einiger Bekannter und dem des Werkstattmeisters nach und nehmen uns vor, die Rostbehandlung selbst in Angriff zu nehmen. Schweißgerät und altes Autoblech hat mein Dad zum Glück in der eigenen Firma herumstehen.

Ich nehme mir 4 Tage Zeit und übe bis mir die Finger qualmen. Naja, qualmen tut wohl eher mein Kopf… Vor Wut, weil ich (Perfektionist bis hinten gegen!) einfach nichts auf die Reihe bekomme. Lola und mein Dad sind da anderer Meinung aber was soll man machen. Sein größter Kritiker sollte man immer selbst sein, habe ich irgendwann mal in einer dubiosen Zeitschrift gelesen. :D



Nach der viertägigen Übungseinheit fühle ich mich „bereit“ und setze die Flex am Auto an. Ein komisches Gefühl das eigene zu Hause zu zerschneiden und gleichzeitig Angst zu haben, es niemals wieder zusammen zu bekommen. Zum Glück soll diese Angst auch nur eine bleiben, obwohl ich Experte mir mal wieder die schwierigste Stelle für den Anfang vorgenommen habe. Frei nach dem Motto – wenn ich die schaff‘, schaff‘ ich alle!

Knapp eine Woche später habe ich die Reparaturbleche angefertigt und wenig später erstrahlt eine der zuvor schlimmsten Stellen in neuem Glanz. Zumindest fast… Spachtel, Grundierung, Feinschliff und Lack fehlen natürlich noch aber immerhin sieht man keine Löcher mehr dort, wo keine hingehören. Geil, ich kann schweißen! Klaaar, besser geht immer aber halten tut’s! Und das ist ja wohl das was zählt. :D


Während ich die nächsten Wochen am flexen, hämmern, braten, spachteln, schleifen, lackieren und polieren bin, befasst Lola sich mit schon längst überfälligen Optimierungen im Innenraum. Ein Hubbett soll her, damit wir endlich etwas mehr Platz bekommen. Und ja, besser hätte es nicht werden können! Eine Konstruktion, inklusive Planung, wie ich sie wohl nicht hinbekommen hätte. Nix von wegen hingebastel. Auch den Dachhimmel, der uns schon seit einer Ewigkeit beim Schlafen auf den Bäuchen hängt, klebt sie neu an. Der gerissene 70er Jahre Wasserhahn darf uns im Tausch gegen einen farblich gar nicht passenden neuen verlassen und eine Wegfahrsperre wird uns ab sofort begleiten.

Nach etwa 2 ½ Monaten ist das Werk vollbracht. Beinahe alle Roststellen sind beseitigt, das ganze Auto poliert, der Innenraum optimiert und aufgehübscht und das Wetter mittlerweile so beschissen, dass uns keine 10 Pferde mehr davon abhalten können, endlich in Richtung Sonne zu starten. Okay, ganz so glatt gelaufen, wie es jetzt vielleicht rüber kommt, ist es nicht. Die eine oder andere Hürde hatten wir schon zu nehmen. Und gewisse Steine (oder auch Felsen) lagen uns schon im Weg aber wenn ich euch alles was passiert ist, haargenau erzählen würde, wäre ich in 10 Tagen noch nicht fertig mit schreiben und ihr schon längst eingepennt.






Bevor es wirklich losgeht, gönnen wir uns noch eine freie Woche. Weihnachten steht vor der Tür. Daher haben auch meine sonst völlig übermotivierten Eltern mal frei und wir verbringen eine wirklich schöne Zeit zusammen. Viel zu schön… Der Abschied, kurz nach den Weihnachtsfeiertagen, fällt wieder mal besonders schwer! Doch das Abenteuer ruft und dafür muss man das Gewohnte, inklusive seiner Liebsten, auch mal zurücklassen.

Bis wir an Neujahr Deutschland verlassen, besuchen wir noch Lolas Familie und Bekannte, die wir auf unserer letzten Reise in Albanien kennenlernten. Mit wilden Kartenschlachten, frittiertem Gemüse und Glühwein feiern wir entspannt ins neue Jahr rein und freuen uns darüber, einen so außergewöhnlichen Jahresstart hinzulegen. Am 1.1. los? Das klingt doch mal gut!

Als wir über die klischeehaften, guten Vorsätze fürs neue Jahr sprechen, entschließe ich spontan das Rauchen dauerhaft einzustellen… Was für eine Kackidee!!! Naja, eigentlich eine sehr gute Wahl, was die Vorsätze angeht. Aber… was für eine KACKIDEE!!!!!! Mit dieser Entscheidung startet mein Jahr nicht allzu entspannt. Und Lolas damit auch nicht. Eins kann ich euch sagen, lange Autofahrten und Rauchentwöhnung gehen nicht unbedingt eine Symbiose ein! Hecktisch wie ein Kaninchen auf Speed kaue ich ein Kaugummi nach dem anderen. Dabei wende ich im Kiefer die Kraft eines Pitbulls auf, der gerade versucht ein Eisenrohr zu durchbeißen. Und das tagelang, ohne wirklichen Effekt. Zur Abwechslung stecke ich mir hin und wieder einen Zahnstocher in den Mund, den ich dann aber schneller zerlege, als Lucy es je schaffen würde. Aiaiai…. Ein Glück habe ich so eine gefestigte Beziehung, denke ich immer wieder, wenn sich der nächste Wutanfall unaufhaltsam seinen Weg nach außen bahnt!

Mittlerweile sind wir in Italien. Und auch wenn es unerwarteter Weise kälter als in Deutschland ist, kann ich einen klaren Vorteil erkennen. Die Italiener gucken alle noch grimmiger, als ich auf Nikotinentzug. Zumindest lässt sich das bei den Exemplaren erkennen, die nicht auch im tiefsten Winter mit Sonnenbrille rumlaufen. Egal, gegen die Kälte haben wir ja etwas auf dem Plan, denke ich, als ich morgens aufwache und zum 10x diese Nacht die Heizung, die offenbar langsam den Geist aufzugeben scheint, neu starte. Thermalquellen! Und das gleich fast 10 Stück nur in der Toskana.




Entmutigt von den letzten, für mich seeeeeeehr anstrengenden Tagen der Abstinenz und der extrem kalten Nacht, versuche ich mich an diesem letzten Grashalm hochzuziehen und stehe auf. Während ich draußen am Pinkeln bin, bewundere ich die weiß gefrorene Landschaft und einige Reiher, die über dem Fluss neben unserem Nachtplatz ihre Kreise ziehen. Schon viel besser! Ein heißer Tee und ein Spaziergang durch die winterliche Sonne können meine Laune auf das momentan mögliche Maximum steigern, bevor wir uns auf den Weg Richtung „Terme di Petriolo“ machen. 3 Stunden Fahrt später leitet uns ein sehr kleines, fast nicht zu erkennendes Schild den Weg zur Quelle. Wir biegen ab, fahren über eine Bergkuppe und dann der Schock! Autos, Wohnmobile die wie Tupperschüsseln aussehen, Autos mit Wohnwagen… Und das bis zum Horizont. Na super, die Idee hatten wohl nicht nur wir! Auf der Suche nach einem Parkplatz, vorbei an den Fahrzeugmassen, können wir von einer Brücke aus einen kurzen Blick runter auf 3 wirklich winzig kleine Thermalbecken erhaschen. Und was wir dort sehen, ist noch schockierender, als die Tupperparty oberhalb. Ein Salat aus dampfenden, kalkweißen Touristen, die sich aus der behaglichen Tupperdose ins Kalte gewagt haben und bräunlich glänzenden Einheimischen, deren Fiats gerade so eben noch den Berg erklimmen konnten. Neeee danke, die vollgefurzte Wanne könnt ihr gerne für euch behalten! :D Die Hoffnung, wir könnten die Quelle für uns alleine haben, ähnlich wie es auf Sardinien und in Albanien der Fall war, ist damit schon fast geplatzt. Aber aufgeben ist keine Option. Wir suchen die nächste Thermalquelle raus, hacken die Adresse ins Navi und fahren weiter.

Wieder 3 Stunden später… Es ist bereits dunkel und kurz bevor wir unser Ziel erreichen, steigt das Verkehrsaufkommen. Und eigenartiger Weise sind die meisten Fahrzeuge, die uns entgegenkommen, Reisemobile. Oh man, schlechtes Zeichen! Dank des unglaublich tollen Navis, das wir aus folgendem Grund sooo gerne benutzen, drehen wir eine ziemlich große Extrarunde, vorbei an einem riesigen Wellness-Spa-Thermal-Bonzen-Fettsäcke-Komplex und quälen den Dicken einen mächtigen Berg hoch, um dann im selben Dorf zu landen, in dem die Extrarunde begann. Wir folgen den Schildern, die zur Quelle weisen, entlang einer kleinen Gasse, die für uns vor einer 2,20m Höhenbegrenzung abrupt endet. Alter… Klappt denn hier gar nix?? Es gibt also genau diesen einen Parkplatz! Und der ist für uns nicht zugänglich. Unsere Nerven liegen blank. Verzweifelt versuchen wir einen anderen Weg zu finden. Doch das Unterfangen ist zwecklos. Angepisst, weil nun auch noch mein letzter Grashalm geknickt ist, geben wir den Versuch zu einer heißen Quelle zu kommen für heute auf und suchen per „Park4Night“ einen Nachtplatz. Schnell haben wir einen versteckten Ort gefunden, an dem wir erstmal etwas zu Essen machen. In Erinnerung an unsere Sardinientour gibt es Gnocchi mit Käsesahnesauce. Mit einer Flasche Sekt spülen wir diesen grauenvollen, sinnlosen Tag runter und hoffen, dass der nächste ein besserer wird.

Als Außenstehender mag der ein oder andere Bemitleidenswerte vielleicht denken – man, der jung do… Der hat n geiles Leben! Und ja, das will ich auch gar nicht abstreiten. Aber es ist nicht alles Gold, was glänzt! Reisen ist nicht unbedingt die Lösung aller Probleme. Man kann zwar einige loswerden aber dafür kommen ganz sicher andere! ;)

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Reisen in grün

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