• Tim

Gewaltmarsch mit Hund im Rucksack

Aktualisiert: 6. März 2018

Die Erkundungslust hat uns wieder gepackt! Nachdem der Sturm der letzten Tage seinen Tribut gefordert hat und uns die Dachluke zerlegt hat, was einen massiven Wassereinbruch im Fahrzeug zur Folge hatte, ist das Wetter jetzt wieder bombenmäßig und die Karre schön am trocknen.

Die Tage mit schlechtem Wetter sind sonst ohne großartig erwähnenswerte Vorkommnisse verlaufen. Daher überspringe ich diese mal und steige beim Sonnenschein wieder ein.

Wir sind mal wieder auf der Nachplatzsuche, was sich nach wie vor immer wieder als ziemlich schwierig erweist. Aber Ringo Starr*, der ehemalige Schlagzeuger der Beatles, sorgt in Kombination mit den Sonnenstrahlen, die unser Auto fluten, für unzerstörbar gute Stimmung! Da wir eine Wanderung zur „Gola Su Gorroppu“, der tiefsten Schlucht Europas, unternehmen wollen, versuchen wir es daher in der Nähe unseres Startpunkts.

Überall stehen Schilder auf denen „divieto di campeggio“ steht. Das bedeutet ganz klar, campen verboten! Da diese Schilder aber wirklich ÜBERALL stehen und wir keine Lust haben wieder ewig weit zurück zu fahren, geben wir darauf einen feuchten Furz.

In der Nähe eines kleinen Flusses stellen wir den Dicken auf einen Parkplatz direkt neben eines der besagten Schilder. Erst machen wir uns etwas Gedanken, da gegenüber von dem gewählten Nachtplatz ein Olivenbauer bei der Ernte ist. Als dieser aber sehr freundlich grüßt und sich als Schweizer herausstellt, der uns viel Spaß in den Bergen wünscht, ist für uns die Sache geklärt.


Jetzt macht uns nur noch die frei laufende Kuh Sorgen, die ein ziemlich aggressives Verhalten an den Tag legt, als ich Lola beim Einparken einweise. 😀 Wir schmieren die Vorderachse des Mercedesbusses ab und legen uns nach einen Eisbad im Fluss und einem Schlummertrunk ins Bett. Die Nacht verläuft ruhig und auch von der Kuh bekommen wir nichts mehr mit.

Am nächsten Morgen brät die Sonne schon um 8 Uhr morgens auf das Hochdach, was mich zum Aufstehen und Kaffee kochen zwingt. Wieder fahren etliche Autos vorbei, dessen Fahrer mich aber alle freundlich grüßen, während ich Kaffee trinkend, in der offenen Schiebetür, in der Sonne sitze.

Kaffee ausgetrunken, Wanderrucksack gepackt und los geht’s! Vor uns liegt ein knapp 5 stündiger Trek zu der besagten Schlucht und wieder zurück.

Hört sich ja erstmal ganz easy an… 5 Stunden laufen, das ist ja nix im Gegensatz zu dem, was man an einem deutschen 8-Stunden-Arbeitstag so rennt! Aber da haben wir uns mächtig geschnitten. Schon auf den ersten 500 Metern pfeift meine gequälte Raucherlunge aus dem letzten Loch! So untrainiert hatte ich mich selbst nicht eingeschätzt. Und der Ehrgeiz packte mich sofort…

Bergauf, mit brutaler Steigung, bergab, mit dem selben Gefälle, über grobes Geröll und nassen Erdboden führt der Pfad an dem Fluss entlang, an dem ich am Vorabend gebadet hatte. Was für ein Panorama! Um uns herum keine Menschenseele.. Nur die Natur mit ihren gigantischen, bis zur Baumgrenze grün bewachsenen, Bergen, dem plätschernden, glasklaren Wasser im Fluss und ohne Ende Eidechsen!





Nach ungefähr der Hälfte der Strecke merke zumindest ich überhaupt nicht mehr, dass sich meine Beine bewegen. Die Ausblicke und die Eindrücke nehmen mir jeden Gedanken an die Anstrengung. Dann nochmal gut 1 Stunde weiter und wir sind mitten im Canyon! Allerdings nicht alleine. Offensichtlich gibt es noch einen anderen Trek, der an der selben Stelle endet. Von Opas mit Wanderstock bis hin zum kreischenden Windelscheißer ist alles vertreten. Genau mein Ding!! 😀

Wir klettern über die riesigen Felsbrocken, um die das Wasser sich einen Weg bahnt, um etwas Ruhe für ein gemütliches Frühstück zu haben. Wir stärken uns mit Ciabatta und Ziegenkäse, machen ein paar Fotos und bemerken relativ schnell, dass wir ganz schön abschlaffen. Der Hinweg hat unsere Beine schon ganz schön beansprucht! Wir Weichflöten! 😀


Aber nicht nur wir sind jetzt schon fertig. Nein, Lucy ist diejenige, die schon auf dem Hinweg, durch ständiges Vor- und Zurücklaufen, locker die doppelte Strecke zurückgelegt hat und jetzt ihre Zunge hinter sich her schleift. Oh man…. Das kann ja heiter werden.

Wir machen uns auf den Rückweg. Doch der bekloppte Hund ist mittlerweile so im Eimer, dass sie alles was sich bewegt, inklusive Bäume und Echsen, anbellt und uns dann mit müden Augen anguckt. Also muss eine Lösung her. Erst versucht Lola sie in ihrem umgedrehten Pullover auf dem Rücken zu tragen. Nicht die optimale Lösung, denn Lucy rutscht mit jedem Schritt weiter nach unten und Lola muss verkrampft den Pulli festhalten..

Also Wanderrucksack auf, Pullis als Polster unten rein und den Hund hinterher. 😀 So hängt sie dann, immer mit Blick nach vorne, auf meinem Rücken, bis wir wieder am Auto sind. Als wir ankommen, hat sie nicht mal mehr die Kraft aus dem Rucksack heraus zu kommen. Ich allerdings auch nicht! Die 8 Kilo mehr auf dem Rücken machen sich doch ganz schön bemerkbar! 😀


Um 16 Uhr ziehen wir unsere Wanderschuhe wieder aus und gehen runter zum Fluss, um bei einem weiteren Eisbad das klebrige Gefühl von dem Gewaltmarsch loszuwerden. Gelingt, ist aber wieder einen verdammt harte Nummer! Trotzdem besser als wieder irgendjemandem 21 Euro in den Hintern zu blasen. 😛

Bier am Mund, Essen kochen, futtern und an Ort und Stelle pennen gehen… Mehr ist nicht mehr drin. Alle Knochen tun weh aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt! Was für ein geiler Tag! 🙂

Am nächsten Morgen wachen wir ziemlich früh auf, weil ohne Ende Wanderer an unserem Auto vorbeilaufen um ihre Wanderung zu starten. Als wir aufstehen, werden wir fröhlich von einem Straßenhund begrüßt, dem wir am Vortag schon etwas zum Fressen, aus dem extra für solche Fälle gekauften Futtersack, gegeben hatten. Während wir Kaffee trinken, geben wir auch ihr ein Frühstück und kraulen sie, bis die Besitzer des Parkplatzes, der 10 Euro am Tag kostet, neben dem wir übernachtet haben, da er geschlossen war, kommt und uns auf seine Parkfläche dirigieren will.


Wir verabschieden uns von der süßen Hündin, die wir am liebsten sofort mitnehmen würden, und machen uns aus dem Staub, bevor wir zahlen müssen. Gut getimed, stellen wir fest, denn weder auf fremde Begleitung beim Wandern, noch auf bezahlte Parkplätze sind wir heiß! Mal wieder alles richtig gemacht! 🙂


10 Ansichten

Reisen in grün

  • Grey Facebook Icon
  • Grey Instagram Icon

In unseren Blogbeiträgen findest Du mit * gekennzeichnete Links,das sich sogenannte Affiliate Links.

Wenn Du über einen dieser Links ein Produkt kaufst, bekommen wir eine kleine Provision mit der wir dann zum Beispiel die Hosting und Domainkosten der Website finanzieren.

Am Produkpreis ändert sich für dich aber natürlich nichts!