• Tim

Grenzerfahrungen

9 Wochen warten… Dann ist es endlich soweit. Am Freitag Morgen holen wir den Dicken aus der Werkstatt ab. Trotz der nur noch 3 verbleibenden Wochen, bis zu unserem nächsten Job, entscheiden wir nach Albanien zu fahren. Der ursprüngliche Plan geht also doch noch auf.

Wir fangen an zu packen, auszumisten und umzuräumen. Samstag Nachmittag haben wir alles wieder im Bus verstaut und machen uns auf den Weg. Endlich… Endlich wieder unterwegs!


Schon in der ersten Etappe überqueren wir die tschechische Grenze und suchen uns nachts um 3, ziemlich übermüdet einen Nachtplatz. Die Wahl fällt auf einen Platz aus Betonplatten, auf dem ein Bauer seinen Dung lagert. Optimal, um uns ein paar Stunden auszuruhen. So denken wir jedenfalls…



Morgens werden wir unsanft geweckt. Um 7 Uhr startet ein, offenbar schlecht gelaunter, Tscheche seinen Freischneider und beginnt die Wiese neben dem Misthaufen platt zu machen. Dementsprechend unausgeschlafen nehmen wir wieder Fahrt auf.

Trotzdem gut gelaunt, legen wir die nächsten 200km zurück. Dann ist es plötzlich still… Während der Fahrt geht der Motor aus. Mit Vollgas bekommen wir die Kiste wieder gestartet und fahren, nach einem weiteren Mal sterben des Motors, von der Autobahn ab und stellen uns an einen Waldrand.


Dort denken wir erstmal darüber nach, was die Ursache des Problems sein könnte. Der erste Gedanke, wieder einmal der Dieselfilter. Ersatz haben wir seit dem letzten Mal dabei. Als der Motor nach 2 Stunden einigermaßen abgekühlt ist, tauschen wir Vor- und Hauptfilter. Und siehe da, er läuft wieder! *.*


Weiter geht die wilde Fahrt. Doch nach abermals 100km, der nächste Ausfall. Hier sind wir mit unserem Latein am Ende. Da Sonntag ist, entscheiden wir, mit dem Gaspedal am Bodenblech, weiterzufahren und falls das Problem wieder auftreten sollte, am Montag eine Werkstatt aufzusuchen. Doch glücklicherweise tritt der Fehler nicht wieder auf.

Bis zur kroatischen Ausreisegrenze verläuft der Rest der Fahrt reibungslos. In einem kleinen kroatischen Dorf sammeln wir 2, von der Sonne glühende, französische Tramper ein. Bis nach Kotor, einer Hafenstadt in Montenegro, nehmen wir die beiden mit.



Die Laune ist gut, die Zeit kurzweilig. Doch dann der Schlag ins Gesicht.

Ein kroatischer Grenzer will unser Auto kontrollieren. Da wir der Meinung sind, nichts befürchten zu müssen, gehen wir sehr entspannt an die Situation heran. Er kramt und kramt und kramt. Und findet! Meinen Gummiknüppel, den mir einer meiner besten Freunde zu unserer Sicherheit mitgegeben hat.


Was wir nicht wussten, dieser Gegenstand gilt in Kroatien als Waffe und wird mit Einbehalt und einer Geldstrafe geahndet. 2100 Kuna, umgerechnet 300 Euro, müssen wir für unsere Unwissenheit hinblättern. Na super! Völlig entnervt und geschockt fahren wir, ohne meinen Reisepass, zu einer Bank, um die 300 Euro in Landeswährung zu tauschen. Denn Euro sind natürlich nicht erwünscht bzw. akzeptiert. Und das in einem EU-Mitgliedsland! Auf ganzer Linie das teuerste und unfreundlichste Land auf der gesamten Anreise. Nach über 3 Stunden in der prallen Sonne, 300 Euro ärmer und zumindest um eine Erfahrung reicher, dürfen wir endlich weiterfahren.


Montenegro empfängt uns mit offenen Armen. Der Grenzer kann sogar lächeln und heißt uns in seinem Land Willkommen. So wünschen wir uns das! Es wundert uns aber, dass die Einreise in ein „nicht-EU-Land“ entspannter und einfacher ist, als die Ausreise aus einem EU-Land. Naja, von den Kroaten haben wir schon im Voraus nicht viel Gutes gehört und das können wir jetzt aus eigener Erfahrung bestätigen.


Die montenegrinische Bevölkerung hingegen ist freundlich und die Landschaft verwöhnt uns mit einer Vielzahl an Grüntönen. Wir fahren durch Tunnel aus Blättern und bestaunen das kristallklare Wasser, entlang der Küstenstraße. Etwa 1 Stunde, nachdem wir unsere beiden Mitfahrer rausgelassen haben, werden wir von einem sehr streng aussehenden Bullen angehalten, der behauptet, wir wären zu schnell gefahren. 15 Euro sollen das Problem wortlos aus der Welt schaffen. Wir diskutieren bis zum Umfallen und als Lola den Mann bittet ihr das Ergebnis seiner Lasermessung zu zeigen, lässt er uns plötzlich ohne weitere Maßnahmen fahren und knöpft sich den nächsten Ausländer vor, noch bevor wir wieder im Auto sitzen. Als wir wieder fahren, können wir uns vor Lachen kaum noch halten. Was für korrupte Spastis! :D


Unser Weg führt uns weiter in Richtung albanische Grenze. Die offizielle Zufahrtstraße ist aber leider gesperrt und um die Sperre zu umfahren, müssten wir wieder an der Polizei vorbei. Da wir dem Cop erzählten, dass wir vor hätten in der nächsten Stadt zu übernachten, wäre das sicher keine gute Idee. Deshalb entscheiden wir tatsächlich in der besagten Stadt zu schlafen.


Wieder einmal suchen wir eine halbe Ewigkeit nach einem geeigneten Ort, um unser Gefährt zu parken. Wir fahren durch ein kleines Fischerdorf und sehen einen Fluss voll beeindruckender Hütten, die für den Fischfang errichtet wurden.



Dann entdecken wir ein Schild, das auf einen Kiteclub hinweist. Wir fahren eine sehr schlechte Straße bis an den Strand und fragen den Besitzer des Clubs nach der Erlaubnis, über Nacht auf seinem Parkplatz zu bleiben. Ohne zu überlegen willigt der überaus nette Mann ein. DANKE!!! Ein astreiner Schlafplatz. Und auch noch einer mit Bar!

Auf den Tag voll emotionaler Höhen und Tiefen hören wir laute, entspannte Musik, besaufen uns mit Cola-Rum und haken die bezahlte Strafe an der Grenze endgültig ab.



Voller Vorfreude auf das, was uns erwartet, schlafen wir selig ein. :)

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Reisen in grün

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