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  • Tim

Invasion der Blutsauger

Einen Tag, nachdem wir unsere Sorgen in Schnaps ertränkten, machen wir uns wieder auf den Weg. Schon in Deutschland haben wir uns als erstes Ziel in Albanien den Langarica Canyon, nahe der Stadt Permet, rausgesucht. Diesen wollen wir noch am selben Tag erreichen.


Doch vorerst ist der Plan eine albanische SIM-Karte zu kaufen, um unterwegs Internet zu haben. Dem Ganzen soll absolut nichts im Wege stehen. In Durres kaufe ich in einem Vodafoneshop für schlappe 10 Euro eine, mit 6GB Datenvolumen bestückte SIM, die mir auch gleich vor Ort eingerichtet wird.


Dann steht noch Geld wechseln auf der Liste. Eine Exchangebude befindet sich gleich nebenan und auch hier keinerlei Probleme. Zu einem guten Kurs wechseln wir 500 Euro in 61000 LEK. Mit dem 2cm dicken Stapel Scheine in der Hand fühle ich mich sofort wie ein reicher Mann. Und für die hiesigen Verhältnisse bin ich das trauriger Weise tatsächlich.

Als ich die Wechselstube verlasse, spricht mich der Besitzer eines Berbershops an. „Ey Rastaman! Do you smoke Weed? Or do you wanna try my cocaine? Come into my shop. I would love to invite you!“ Verdutzt lehne ich dankend ab und um ihn abzuwimmeln, versichere ich dem brutal aussehenden Kerl, wieder zu kommen, um mir von ihm den Bart schneiden zu lassen, wenn mein Urlaub vorbei ist.


Als ich wieder im Auto sitze, guckt einer seiner Kumpels, der mit vor dem Laden standen, im vorbeigehen immer wieder zu uns rüber. Das mulmige Gefühl, dass hier irgendwas nicht stimmen könnte, treibt uns dazu schnell die Biege zu machen.

Die Straßen und der Verkehr sind katastrophal und wir kommen nur langsam voran. Abends erreichen wir, wieder einmal durch einen Zufall, einen sehr breiten und leeren Sandstrand. Der Untergrund ist fest. So können wir unseren Bus direkt auf den Strand fahren.



Wir entscheiden dort über Nacht zu bleiben und gehen das erste Mal auf dieser Reise im Mittelmeer baden. Wird aber auch Zeit! Wirklich erfrischend ist das mindestens 20 Grad warme Wasser nicht, aber immerhin fühlen wir uns nach dem Bad das erste Mal seit 6 Tagen wieder sauber.

Den restlichen Abend verbringen wir mit entspannter Musik im Sonnenuntergang und freuen uns über den offenbar perfekten Nachplatz.



Als es fast dunkel ist, flüchten wir vor den Mücken ins Auto und machen es uns auf der Couch bequem. Eine Stunde später wollen wir die Fenster schließen. Was wir nicht bemerken, sind die Milliarden Mücken, die unserem Auto eine neue Farbe verpassen. SCHWARZ! Wir öffnen eines der Moskitonetze und innerhalb von Sekunden haben wir eine schwarze, schwirrende Wolke fresswütiger Blutsauger im Auto!

Scheiße! Und jetzt?? Verzweiflung macht sich breit… Mit Handtüchern bewaffnet töten wir pro Schlag mindestens 20 der neuen Mitbewohner. Dann bemerken wir, dass noch ein weiteres Fenster offen ist. Wie sollen wir das denn bitte jetzt zu bekommen, ohne weitere Viecher rein zu lassen???


Dann der Masterplan. Wir müssen einfach schnell genug fahren! Dann werden wir die Masse bestimmt los. Mit offenem Seitenfenster rasen wir im Stockdunkeln über den Strand. Doch die Mücken kratzt das nicht die Bohne. Unbeirrt bleiben sie sitzen. Erst als ich mit der Faust gegen das Fenster schlage, lösen sich einige von ihnen. Ich ziehe mir einen Pulli an, ziehe die Kapuze ins Gesicht, öffne die Tür einen kleinen Spalt und schlage sie zu.

Als ich mich einigermaßen in Sicherheit wäge, springe ich raus, rette meine, noch am Strand liegende Badehose, verscheuche alle Mücken vom letzten, offenen Fenster und knalle es zu. Als ich zurück durch das Scheinwerferlicht laufe, habe ich einen schwarzen Tornado um die Beine. Alter!! So was hab ich noch nicht erlebt!


Fluchtartig verlassen wir den Strand und entscheiden trotz der späten Uhrzeit ins 4 Stunden entfernte Permet zu fahren. Dort wollen wir eine heiße Quelle, mitten im Langarica Canyon, besuchen. Doch als ich nach 2 Stunden alle Mücken während der Fahrt platt gemacht habe, kommt die Müdigkeit durch.


Wir fahren in eine kleinere Straße, um vom Lärm der Hauptstraße zu entkommen. Diese Straße wird von Meter zu Meter schlechter. Nach ca. 100 Metern verschwindet der Asphalt und die „Fahrbahn“ verwandelt sich in ein Schlachtfeld. Einen Meter tiefe Schlaglöcher leiten uns den Weg. „Das kann unmöglich die Zufahrt zu einem Dorf sein!“ Und doch… Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir nachts um 2 ein kleines Dorf. Neben einem Hühnerstall aus Bambus erreichen parken wir, um zu schlafen.


5 Stunden später werde ich von einer aufgebrachten Lola geweckt. „Babe, Babe!! Da versucht jemand in unser Auto zu kommen!“ Sofort bin ich hellwach. Ich öffne mein Rollo und sehe 2 Jugendliche, die erschrocken feststellen, dass das Auto nicht leer ist. Sie laufen hinters Auto und versuchen irgendwas an meinem Fahrrad. Erst als wir „EY!“ schreien, laufen die Beiden weg.


Oh man, schon wieder so eine kurze Nacht mit eiskaltem Aufwachen. Morgens um 7 starten wir den Motor wieder und fahren tot müde los. Die Piste scheint kein Ende zu nehmen und wir kriechen mit 10km/h zwischen den Feldern der ortsansässigen Bauern durch.



Als wir schon darüber nachdenken umzudrehen und den gesamten Weg zurück zu schleichen, taucht wie aus dem Nichts plötzlich wieder eine asphaltierte Straße auf. Na ein Glück!!

Wir fahren über einen Straßenmarkt, auf dem Hühner, Schafe, Ziegen, Obst und Gemüse verkauft werden. So kaufen also die Locals ein. Beeindruckendes Schauspiel.

Mit Hilfe des nächsten Friseurs, die gibt es hier wirklich an jeder Ecke, erreichen wir die Straße, von der wir am vorherigen Abend abgefahren waren, und fahren weiter in Richtung Permet. 3 Stunden später kommt der Canyon in Sicht und wir sind hin und weg von der atemberaubenden Landschaft.



Erschöpft und müde von den Strapazen der letzten Tage, lassen wir den Rest des Tages an uns vorbeiziehen. Das waren wohl die stressreichsten 2500km, die wir bis jetzt gefahren sind. Aber wir haben es geschafft! Wir sind in Permet! :)

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