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  • Tim

Nebel des Grauens

Das erste Wochenende des Jahres verläuft, auf unserem Meerblickparkplatz, erschreckend ruhig und ohne nennenswerte Komplikationen. Keine Carabineri, keine Mafiosi, tagsüber ist es angenehm warm und nachts macht die Gasheizung brav ihren Dienst. In der Sonne bratend, sitze ich auf unserer Couch. Nur ein paar Angler und Muschelsammler laufen gelegentlich durchs Bild. So sieht Entspannung aus. Erholt von den Strapazen der Vorwoche, machen wir uns am Montagmittag auf in Richtung Saturnia. Einen letzten Versuch, ein heißes Bad im Freien zu bekommen, wollen wir noch wagen.

Einige Stunden später erreichen wir das, am Freitag noch völlig überlaufen, Ausflugsziel. Kein Auto weit und breit! Ohne zu suchen, können wir unseren dicken direkt am Straßenrand parken. Mit der Kamera im Anschlag machen wir uns auf den Weg. Wohltuend ruhig ist es, als wir die blau schimmernden Becken erreichen. Nur das Plätschern des Wassers ist zu hören.

Der einladenden, fast körpergleichen Temperatur des mineralhaltigen Gebräus können wir nicht lange widerstehen. So liegen wir, ein paar Minuten später, in der Strömung und der gesamte Ärger, der langen Anfahrt, ist vergessen.

Es ist schon fast dunkel, als wir unsere Badewanne wieder verlassen. Die 5 Grad Außentemperatur reißen mir fast die Haut vom Leib, bis ich zitternd Hose und Pulli angezogen habe. Doch das ist es wert! Das frische Gefühl, welches ich schon einige Tage vermisst hatte, macht den Moment des Schockfrostes allemal wett.

Zurück im Auto beschießen wir die Nacht an der Therme zu verbringen, auch wenn der Parkplatz, direkt an der Straße, nicht wirklich überzeugend ist. Zumindest ein paar gute Fotos wollen wir am kommenden Morgen von der Wasserlandschaft noch machen.


Wir schlafen wenig und unruhig. Um 6.30 Uhr klingelt der Wecker, als würde er zur Arbeit rufen. Es ist noch stockfinster und nur der Mond verstreut sein letztes Licht im Olivenhain, neben unserem Nachtlager. Eine halbe Stunde später, trauen wir uns raus in die Kälte. Ein paar erste helle Flecken zeichnen sich am Himmel ab und kündigen den Morgen an. Es ist bewölkt..

Super, das ist genau das, was ich mir vorgestellt hab, denke ich. Doch mein Elan ist nicht zu bremsen.

Wir erreichen die dampfenden Becken. Nebelschwaden fliegen durch die Luft und verbreiten, im faden Licht der Morgendämmerung eine mystische Atmosphäre.

Lange hält diese Stimmung aber nicht an. Die Wolkendecke bricht auf und lässt ein paar gleißende Sonnenstrahlen durch, die sich im Himmel verlieren, bevor sie den Boden erreichen. Meine Finger sind gefroren, als ich zwei Stunden nach Aufbruch zurück im Auto bin und mir die Ausbeute der Fotosafari anschaue. Das habe ich mir besser vorgestellt! Durch den ständig aufsteigenden Wasserdampf sehen fast alle Bilder so aus, als wäre die Linse komplett beschlagen.. Naja, egal! Spaß hat es trotzdem gemacht.


Genervt von den vorbei rasenden Autos, machen wir uns schon früh auf den Weg. Wir haben jede Menge neue Eindrücke, Fotos und Videos für unser Vlogprojekt gesammelt, um erstmal ein paar Tage, irgendwo wo das Internet mitspielt, zu arbeiten. Am Lago di Bolsena finden wir einen schönen, ruhigen Platz. Hier wollen wir einige Tage und Nächte verbringen. So der Plan...

Der erste Tag verläuft besser denn je. Ich schneide unser erstes Video auf dieser Reise, schreibe neue Blogbeiträge und arbeite für meinen Arbeitgeber. Abends machen wir es uns mit einer Flasche Moscato auf der Couch gemütlich und schauen, ganz dekadent per Hotspot, alle neuen Videos unserer lieblings-Reisekanäle auf Youtube.

Das bleibt nicht ungestraft! Am nächsten Morgen haben wir keinen Strom mehr. Das Auto will nicht starten und nicht mal mehr der Laptop will laden.


Durch Zufall lernen wir Dieter kennen. Während ich mir gerade die Zähne putze, geht er in der Morgensonne spazieren und begrüßt mich mit "guten Morgen!", was ich in Italien nicht direkt erwartet hätte. Wir kommen ins Gespräch, in dem sich herausstellt, dass Dieter schon seit vielen Jahren in Bolsena lebt und eine kleine, gemütliche Fischerhütte, gleich um die Ecke besitzt. Ich erzähle ihm von unserem Stromdilemma und ohne zu zögern, bietet er an, dass wir an seiner Hütte Strom bekommen könnten. Ein Batterieladegerät habe er auch! Wow!! Der Held des Tages! Und das morgens um halb 10. Eine gute halbe Stunde später stehen wir mit unserem Gefährt direkt neben seiner kleinen Hütte, unter dessen Vordach er bereits Gebäck und Sambuca aufgedeckt hat. Er nimmt uns mit den Worten "der Kaffee ist auch gleich fertig" in Empfang und drückt mir eine Kabeltrommel und das besagte Ladegerät in die Hand. Ich bin völlig perplex. Diese Hilfsbereitschaft! Und diese Gastfreundschaft erst! Beeindruckend.

Während die Batterie beginnt zu laden, sitzen wir im Windschatten unter seinem Vordach, trinken Kaffee mit Sambuca und erzählen. Auch der Nachbar und Freund Werner kommt dazu und leistet uns Gesellschaft. Es sind keine oberflächlichen Themen, die wir smalltalkmäßig runterbeten. Ein wirklich interessanter Mann mit ausgesprochen überlegten Ansichten, dieser unglaublich hilfsbereite Dieter. Bestimmt 2 Stunden sitzen wir da und genießen den Morgen. Dann brechen Werner und Dieter auf. Aber nicht, ohne uns zu zeigen, wo er den Schlüssel für seine Hütte versteckt. Er lässt die Türen aufgeschlossen und erlaubt uns alles zu nutzen. Die Toilette, den Herd, das Wasser, einfach seine ganze Hütte. "macht einfach das Schloss vor die Tür, wenn ihr geht. Ihr könnt auch gerne hier Übernachten." Wahnsinn!! So viel Vertrauen! Ich bin völlig baff...

Als Dieter weg ist, gehen wir ins Auto. Sauber, wir haben Strom. Das heißt, ich kann arbeiten!! Ich schließe meinen Laptop an und starte ihn. Plötzlich das unfassbare! Es knackt, dann stinkt es und Qualm verlässt die Lüftungsschlitze. Ne oder? Das kann jetzt echt nicht sein!

Und ob es kann... Fast der heißen Quelle gleich, liegt er mucksmäuschenstill da und gibt nichts mehr von sich, außer ein paar stinkender Nebelwolken. Ich könnte heulen! Erst eine viertel Stunde später realisiere ich, was da grad passiert ist. Alles weg! Der Artikel für meinen Arbeitgeber, den ich am Vorabend geschrieben habe, fast alle Aufnahmen von der Therme in Saturnia, das fertig geschnittene Video, alle meine Rechnungen aus 2018... Einfach alles. Verzweiflung, Wut, Ärger über mich selbst, dass ich nicht alles auf die externe Festplatte gezogen habe. Dann der depressive Punkt. Alles begleitet vom unfassbar starken Verlangen nach einer kack Fluppe. Und da ist es wieder. Dieses geräusch. Krrrrr... Eine sich öffnende Flasche Schraubverluss-Billigwein. Ich glaub' langsam ich werde zum Alki. Ob das wohl die bessere Alternative ist? Fraglich, mir in diesem Moment aber mehr als scheißegal! Manchmal wünsch' ich mir, ich wär' nicht hier...

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