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  • Tim

Von verrückten Frauen und verlassenen Hotels

Aktualisiert: 6. März 2018

Nach wie vor spielt das Wetter gegen uns. Es regnet und stürmt, die Wellen türmen sich mehrere Meter hoch auf und brechen an den Klippen.

Nachdem wir für 21 Euro eine Nacht auf dem Campingplatz verbracht haben, um uns und unsere Wäsche zu waschen und es weiter regnet, haben wir ein ziemlich großes Problem damit, die gewaschene Wäsche wieder trocken zu bekommen.

In der Hoffnung auf besseres Wetter fahren wir weiter gen Süden. Doch vergeblich.. Auch 100km weiter immer noch das selbe Spiel. Die Wäsche baumelt in unserem Wohnraum, aufgehängt auf Hundeleinen und Spanngurten, durch die Gegend, als wir das verfallene Hotel in Funtanazza erreichen.

Der Anblick der 4 stöckigen, seit 40 Jahren verlassenen Hotelanlage verschlägt uns den Atem. Es lässt sich nur noch erahnen, wie prunkvoll der riesige Gebäudekomplex, der für die Minenarbeiter aus näherer Umgebung als Erholungsstätte diente, einst gewesen sein muss!


Inmitten von Palmen versteckt sich eine gewaltige Poolanlage, welche sich die Natur mit den Jahren zurückerobert hat. Der goldene Sandstrand, der sich auf ca. 200m vor der Anlage erstreckt, ist wohl schöner denn je. Denn er ist menschenleer und die Umkleidekabinen, die am Strand errichtet wurden, sind von der Witterung zerfressen.

Ein bizarres Bild! Dieser Bilderbuchstrand und im Hintergrund die Ruine aus vergangenen Tagen lassen einen beim Anblick über die längst vergangene Zeit der Mineralausbeutung auf Sardinien nachdenken. Wie viele Menschen in dieser Branche gearbeitet haben müssen..!!

Leider regnet und stürmt es immer noch und wir können das alte Gebäude nur bedingt erkunden, da sämtliche Wände fehlen und man bei der Windstärke wohl schnell den Halt verlieren würde. Also nutzen wir nur den Parkplatz als Übernachtungsmöglichkeit und hängen unsere Wäsche, in der Hoffnung sie würde über Nacht im Wind trocknen, vor unserem Auto zwischen die Bäume.

Im Schutz der Küstenvegetation schlafen wir trotz des Wetters super, bis ich bemerke, dass jemand um unser Auto schleicht. Skeptisch stehe ich auf, ziehe mir eine Hose an und steige aus. Eine verwirrte Frau, offensichtlich obdachlos, kommt mir brabbelnd entgegen. Erst verstehe ich nicht, welche Sprache sie überhaupt spricht, bis sie mit relativ lauter Stimme fragt: „Sprichst du kein Deutsch, oder was?“

Ich denke: 'Was will sie denn jetzt? Erst weckt sie mich, indem sie um die Karre schleicht und dann kackt sie mich auch noch an? Was stimmt mit ihr nicht??' Aber ich will ihr nicht genau so gegenübertreten wie sie mir und so reiße ich mich zusammen. Sie fragt mich nach dem Wetterbericht. Das bestimmt 10 Mal und wiederholt ihre Frage dann nochmals. ‚Ziemlich fertig die Gute‘, denke ich mir und versuche ein Gespräch mit ihr aufzubauen. Doch viel mehr als der Wetterbericht und ihre Abneigung gegen Straßenhunde scheint die Frau nicht zu interessieren.

Nach ca. 10 Minuten wird mir das sich wiederholende Gesabbel über das Wetter zu blöd und das Interesse, wo sie herkommt und was sie hier macht, schwindet. Ich beende das Gespräch also indem ich mich umdrehe und im Auto verschwinde.

Während wir gemütlich unseren morgendlichen Chai schlürfen, sehe ich durch das Fenster, wie die besagte Frau wieder auf unser Auto zukommt. ‚Sie braucht bestimmt was zu essen‘, denken wir uns und öffnen unsere Schiebetür. Aber ihr ist nicht nach Essen, sondern wohl eher nach Sabbeln. 😀

Sie erzählt und erzählt und erzählt. Wirres, unverständliches Zeug von früher und dass sie ihr Hab und Gut bei einem Schäfer im Stall untergebracht hatte, der sie aber jetzt durch Schweine ersetzen will.. Geduldig hören wir uns ihre Leidensgeschichte an, schenken ihr noch 2 Müllsäcke und einen Regenschirm, geben ihr unser Kleingeld und sind froh, als wir die Schiebetür wieder zumachen können.

Armes Wesen! Auch wenn sie ihren Weg mit Sicherheit selbst zu verantworten hat.. Diese Situation zeigt mir mal wieder, wie gut es mir doch geht und dass ich alles was ich habe ein bisschen mehr schätzen sollte, anstatt auf den Dingen herumzudenken, die ich nicht haben kann!

Nachdem Sonya, so lautet ihr Name, wie sich im Laufe des Gespräches herausstellte, gegangen ist, hängen wir unsere immer noch klatsch nasse Wäsche ab, hängen sie wieder im Innenraum unseres Autos auf und beschließen weiterzufahren.

Doch irgendwie wissen wir nicht so recht wohin, denn das Wetter ist nach wie vor bescheiden und wenn wir im selben Tempo wie die letzten Tage weiterreisen, verpassen wir die besten Sachen. Denn wenn es stürmt und regnet, guckt man sich weder Sehenswürdigkeiten an, noch legt man sich an den Strand.

Also stehen wir nun auf dem Parkplatz eines Restaurants an der Costa Verde, warten bis es öffnet um etwas zu essen und wissen nicht wie es danach weiter gehen soll.. Wahrscheinlich suchen wir uns am besten erstmal einen Ort an dem wir für ein paar Tage bleiben können und verkriechen uns im Bett, bis die Sonne wieder rauskommt!

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Reisen in grün